Leerer Sterberaum

 

In der aktuellen Pandemie melden offizielle Stellen täglich die Zahl der im Zusammenhang mit Covid-19 Gestorbenen. Grafiken illustrieren das mal dramatische, mal wenig signifikante Auf und Ab. Was Sterben und Tod angeht, bleiben die nackten Zahlen und dürren Bilder abstrakt. Die Medien zeigen die immer gleichen Aufnahmen aus einem Gewirr von Maschinen, Schläuchen, Kabeln und dazwischen das irgendwie tätige medizinische Personal. Höchstens kommt einmal kurz der entblößte Bauch eines Patienten oder das nackte Bein einer Patientin in den Blick. In Erinnerung sind außerdem noch die nachts durch oberitalienische Städte fahrenden Militärlastwagen, die Leichen abtransportieren, die zweckentfremdeten Kühllaster am Hintereingang New Yorker Krankenhäuser oder die gestapelten Särge in deutschen Krematorien. Mehr Bilder von Tod und Sterben als ihrer ultimativen Konsequenz hat die Pandemie kaum hervorgebracht. Das Fehlen der Bilder entspricht dem Fehlen eines öffentlichen Gesprächs. Da mag der eine oder andere Beitrag aus philosophischer Sicht im Nachtprogramm dritter Rundfunksender versteckt sein, in der alltäglichen Berichterstattung sind noch nicht einmal die Kirchen, die von ihrer Perspektive auf das Leben doch „zuständig“ für Sterben und Tod sein sollten, mit fundierten Wortmeldungen sonderlich präsent. In dieser Situation darf man wohl auch von der zeitgenössischen Kunst nicht allzu viel erwarten, erst recht nicht in schneller Reaktion auf die außergewöhnliche Lage. Aber es gibt Ausnahmen, die auf einer langen und intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema aufbauen. Eine solche ist Sterberaum von Gregor Schneider, Ende Januar während eines Lockdowns für drei Tage und Nächte auf der Bühne des Staatstheaters Darmstadt installiert und per Livestream ins Internet gestellt.

Sterberaum wurde bereits 2005-2007 konzipiert und gebaut, jedoch erst ab 2011 öffentlich gezeigt. In der Zeit dazwischen war es zu einem medialen „Skandal“ gekommen als ein aus dem Zusammenhang genommenes Zitat des Künstlers weit über die Kunstpresse hinaus für Empörung sorgte: „Ich möchte eine Person zeigen, welche eines natürlichen Todes stirbt oder gerade eines natürlichen Todes gestorben ist. Dabei ist mein Ziel, die Schönheit des Todes zu zeigen.“ Ohne nähere Kenntnis der Vorstellungen Schneiders wurden die zwei Sätze in den allermeisten Kommentaren als anmaßender, effekthascherischer und zynischer Ausdruck eines zweifelhaften künstlerischen Egos verurteilt. Es musste offensichtlich Zeit vergehen bevor Sterberaum sich von der Umklammerung eines losgelösten Zitats emanzipieren und öffentlich als Skulptur ausgestellt werden konnte. Das geschah in einem Kunstverein in Österreich und etwas später in einem Museum für ältere Kunst und Kultur in Polen, also ein wenig am Rande der allgemeinen Aufmerksamkeit. Die Sache selbst ist durchaus unspektakulär, wenn auch eindrücklich. In einem völlig abgedunkelten Raum hat man durch zwei große, über Eck liegende Fenster Einblick in ein erleuchtetes und leeres Zimmer einfacher, moderner Art. Dieser Innenraum ist der weitgehend originalgetreue Nachbau eines Zimmers in Haus Esters in Krefeld, das nach Entwürfen von Ludwig Mies van der Rohe 1927-1930 errichtet wurde. In beiden Präsentationen ebenso wie innerhalb einer Retrospektive des Künstlers einige Jahre später geschieht in und mit diesem Raum nichts. Er kann nur von außen betrachtet werden, und zwei seiner vier Seiten liegen im Nirgendwo der Dunkelheit. Der Raum erscheint als reines Anschauungsobjekt in einer Art Ortlosigkeit. Allein der Titel der Arbeit stellt eine weitläufige Verbindung zum Sterben her.

Es geht in dieser Arbeit nicht um eine Darstellung des Sterbens wie sie etwa am Anfang des 20. Jahrhunderts Ferdinand Hodler aus persönlicher, unmittelbarer Nähe und über längere Zeit geleistet hat als er das Siechtum seiner Geliebten Valentine Godé-Darel in weit über hundert Zeichnungen und Gemälden ins Bild brachte. Auch geht es nicht um Anschauungen vom Tod durch die Darstellung von Gestorbenen wie sie bereits Hans Holbein der Jüngere im 16. Jahrhundert mit seinem Toten Christus in realistischer Weise geschaffen hat. Oder um den Versuch, die Dimension des Todes durch Materialien, die von Leichen stammen oder mit ihnen in Berührung gekommen sind, zu vergegenwärtigen wie in manchen Arbeiten von Teresa Margolles heute. Der leere Raum hat von seiner Herkunft, von sich aus keine Beziehung zu Sterben und Tod.

Wer sich genauer mit dem Werk von Schneider beschäftigt, stößt allerdings an einigen Stellen auf die Todesthematik und kann zum Beispiel vom Wunsch Schneiders erfahren, einmal an einem solchen, von ihm als angemessen und schön empfundenen Ort zu sterben und dies auch anderen zu ermöglichen. Eingebettet ist diese Vorstellung in weitergehende Reflexionen über die verdrängten Rollen von Sterben und Tod in westlichen Gesellschaften. In jüngerer Zeit war einem allgemeinen Trend folgend das Interesse einiger Theater an Schneiders Arbeit geweckt worden. Es ergaben sich Kollaborationen, die nicht zuletzt im inhärenten oder manifesten performativen Charakter seiner Räume ihren Schnittpunk haben. Für den Künstler wiederum schien das Theater ein Medium zu sein, in dem er hoffte, seine radikaleren Arbeiten womöglich leichter realisieren zu können als im Kontext der Bildenden Kunst. Die Erfahrung mit bestimmten Projekten an der Unwilligkeit oder der Ängstlichkeit mancher Museen aufzulaufen, hatte seine Tätigkeit von Anfang an begleitet. Das Kultur- und Theaterfestival der Wiesbaden Biennale schien Schneider dann 2020 die Möglichkeit zu bieten, Sterberaum auf einer Bühne weiter zu entwickeln. Dass auch dieses Projekt nach längerer Vorbereitung scheiterte, sei der Vollständigkeit halber vermerkt. Hier soll es um das Konzept sowie seine mögliche Bedeutung und weitere Veränderung in dem durch die Corona-Pandemie sensibilisierten Umfeld gehen.

Das Projekt in Wiesbaden sah vor, den Raum auf der Theaterbühne aufzubauen und ihn einer Person zur Verfügung zu stellen, die im Sterben liegt. Die medizinische Versorgung und die persönliche Betreuung durch Angehörige wären die gleichen gewesen wie zuhause, in einem Krankenhaus oder Hospiz. Zuschauer hätte es im Theatersaal keine gegeben, und das Geschehen wäre auch nicht gefilmt oder sonst wie aufgezeichnet und verbreitet worden. Das individuelle Sterben hätte sich die Zeit genommen, die es braucht. Bei alledem hätte sich der konzeptuelle Rahmen, den der Künstler skizziert hat, notwendigerweise geöffnet und unter dem Einfluss der Wünsche der sterbenden Person und anderer verändert. Wie den physischen Raum selbst hätte Schneider auch alle weiteren Umstände des persönlichen Sterbeprozesses dem Betroffenen anheim gestellt. Es ergeben sich für alle Beteiligten bei einem solchen Projekt viele, beileibe nicht nur praktische Fragen. Künstlerisch wie moralisch ist zentral, warum dieser individuelle Tod an einem selbstgewählten Ort (dem Sterberaum) in einem Theater, mithin in einem prinzipiell öffentlichen Raum stattfinden soll. Es wäre völlig unangemessen, wenn dies nur der Gelegenheit geschuldet wäre. Vielmehr hat die Wahl des Ortes mit den Intentionen hinter der künstlerischen Arbeit zu tun. Auch wenn Schneider mit Sterberaum zuallererst eine Situation für sein eigenes, irgendwann einmal eintretendes Sterben schaffen wollte, kann es nicht anders sein als dass dieser Raum als Kunstwerk einen intrinsischen Anspruch auf Öffentlichkeit hat – was durch die mehrfache Ausstellung in entsprechenden Institutionen ja auch manifest gemacht wurde. Ohne Frage ist es ein Anliegen der Arbeit, das Nachdenken über Sterben und Tod in einer angemessenen und intensiven Weise in einer Gesellschaft anzuregen, die diese fundamentalen Tatsachen zu verdrängen gewohnt ist, die ihnen keine oder höchstens verborgene Räume zuweist – auch unter den radikalisierten Bedingungen der Covid-19-Pandemie. Das Theater als besonderer Ort von öffentlichem Erleben, Reflexion und Diskussion scheint dieser Absicht einen passenden Rahmen zu geben auch wenn in diesem Fall nur potenziell oder als Imagination.

Das Projekt für die Wiesbaden Biennale ist vordergründig an den konkreten Umständen, Befürchtungen und Meinungen vor Ort gescheitert. Wichtiger jedoch scheint die Frage, ob nicht die eigenen Prämissen das Konzept von seiner Umsetzung abgehalten haben. In Gregor Schneiders gesamter Arbeit gibt es einen produktiven Widerspruch von Zeigen und Nicht-Zeigen. Seine Räume mögen noch so konkret und scheinbar voller Leben sein, zugleich fehlt immer etwas Entscheidendes. Das Anwesende hat als Echoraum immer etwas Abwesendes. Nur wo beides zusammenfällt und das heißt an einem eigentlich unmöglichen Ort zwischen Bild und Nicht-Bild existiert die Arbeit. Wurde nicht schon im frühen Werk etwas gezeigt und zugleich verborgen, wenn es in den Materialangaben hieß: „Stein hinter Wand“ oder „Wand hinter Wand“? Die wenigen mit den leeren Räumen gegebenen Hinweise auf etwas Anderes sind in einem solchen Konzept nicht nur ausreichend. Der Entzug oder der unendliche Aufschub der „Sache selbst“ ist konsequent.

Bei einem so schwierigen Thema wie Sterben und Tod kommt noch etwas anderes hinzu, nämlich ein absehbares und dennoch einzugehendes Risiko des künstlerischen Scheiterns. Man könnte vergleichsweise an die Birkenau Bilder von Gerhard Richter denken. Er hat sich im Laufe seines Lebens mehrfach mit der Darstellbarkeit des Holocaust malerisch auseinandergesetzt und den Versuch schließlich jedes Mal aufgegeben. Auf den vier Birkenau Gemälden sind die auf Fotografien aus der Gaskammer beruhenden Motive völlig verschwunden, unter vom Künstler seit langem praktizierten, abstrakten Kompositionen eliminiert. Das visuelle Zeugnis der Auseinandersetzung mit dem Unvorstellbaren ist so Ausdruck eines wahrscheinlich notwendigen Scheiterns, das in Form einer geläufigen Form von nicht-referenzieller Malerei erscheint. Die „Flucht“ in die Abstraktion erlaubt eine Verbindung zum eigentlichen Thema nur noch durch die begleitende Erzählung über das Scheitern. Beim Sterberaum liegen die Dinge anders. Hier geht es nicht um Bilder von Bildern einer kaum zu ertragenden Realität in der Vergangenheit, sondern um etwas Reales hier und jetzt: um ein individuelles Sterben und einen konkreten Tod in einem realen Raum. Wie immer bei Schneider ist der Ausgangspunkt die unmittelbare Wirklichkeit von Materialien und Räumen. In sie wird man als Betrachter/Benutzer einbezogen, ihr setzt man sich aus und in ihr ist man auf bestimmte Weise auch gleichsam gefangen. Man stößt sozusagen gegen die schiere Materialität als unüberwindbare Grenze – und dennoch ahnt oder weiß man, dass etwas Anderes/die Sache, um die es geht, außerhalb existiert, hinter der Wand sozusagen. In der recht langen Geschichte von Sterberaum hat Schneider immer wieder versucht, in diesen Raum hinter dem physischen Raum zu gelangen. Präsentierte sich in Innsbruck 2011-2012 (und ähnlich in der Retrospektive in Bonn 2016-2017) eine Skulptur/eine Installation in einer Institution für zeitgenössische Kunst, so war ihr Kontext in einem Museum für Regionalgeschichte und -kultur und als Teil eines Festivals performativer Künste in Stettin stärker auf das eigentliche Thema ausgerichtet. Das wurde nicht zuletzt in einer Veranstaltung deutlich, die die Arbeit zum Anlass nahm, über Sterben und Tod in der heutigen Gesellschaft interdisziplinär zu diskutieren und aus der sich für Schneider weitere Kontakte zu Menschen ergaben, die sich aus eigener Betroffenheit intensiv hiermit beschäftigen und eine Öffentlichkeit für das Thema suchen. Das Projekt in Wiesbaden 2020 hatte sich weit der ursprünglichen Intention angenähert. Sterberaum hätte seine Bestimmung erfüllen und der Raum hinter dem Raum womöglich aufscheinen können. Über seine konkrete Form allerdings und damit auch über den Anteil der Öffentlichkeit an ihm hätte man nichts sagen können bevor der Tod tatsächlich geschehen wäre. Und auch das ist ungewiss. Dass der Prozess in der Vorbereitungsphase abgebrochen werden musste, hatte verschiedene Gründe, bedeutet jedoch nicht ein grundsätzliches und notwendiges Scheitern des künstlerischen Projektes. Mit der Pandemie könnten sich die Bedingungen für ein solches Vorhaben ändern – nicht nur für die Sache selbst, sondern auch was die Bilder von ihr angeht.

Ein eindrückliches aber uneindeutiges Bild wurde kurz darauf mit der Aufstellung von Sterberaum auf der Theaterbühne in Darmstadt geschaffen. Genauer gesagt wurde die Arbeit im Internet ausgestellt, denn nur dort konnte sie für relativ kurze Zeit erlebt werden. Solche „Ersatz“-Erfahrungen waren pandemiebedingt im Kunstfeld bereits gang und gäbe geworden. Über drei Tage konnte man sich ununterbrochen in diese „Aufführung“ einschalten und zwischen drei Kameraeinstellungen wählen. Die erste zeigte den leeren Zuschauerraum und auf der Bühne den im Innern beleuchteten, leeren und verschlossenen Raum. Davor sitzt eine Person, die den Raum betrachtet. Dieser Zeuge (Schneider selbst) ist auch auf den beiden anderen, von der Seite gefilmten Einstellungen zu sehen. Er ist die ganze Zeit über anwesend. Dann und wann nimmt er etwas Nahrung zu sich und in der Nacht scheint er vor dem Raum auf dem Boden zu ruhen. Ansonsten harrt er aus, gleichsam als „Rückenfigur“ anstelle des nur medial und wohl auch nicht dauerhaft anwesenden Zuschauers. Während der drei Tage ist Sterberaum das Einzige, was man auf der Website des Theaters sehen kann. Die für das Publikum geschlossene Institution zieht sich auf sich selbst und fast kommentarlos in ein Bild zurück, das in einer merklichen, aber denkbar offenen Beziehung zur aktuellen gesellschaftlichen Lage steht.

In der knapp zehnjährigen öffentlichen Geschichte von Sterberaum ist mit der Präsentation in einem leeren Theater scheinbar wieder eine Situation wie am Anfang bei den Ausstellungen in Innsbruck und Stettin erreicht. Die Unterschiede sind jedoch signifikant – und nicht nur weil ein abgebrochener Versuch mit einem real sterbenden Menschen in einem anderen Theater vorausgegangen ist. Zum einen ist das Theater ein Kontext, in dem sich Werke anders darstellen als in einem Museum: Sie „sprechen“ auf andere Weise zum Publikum. Und das nicht nur in einem wörtlichen Sinn, sondern auch auf Grund eines gleichsam diskursiven Anspruchs, der jeglichen Texten und Aktionen auf der Bühne eingeschrieben ist. Das Publikum befindet sich grundsätzlich in einem Zustand der Erwartung; es wartet darauf, dass etwas geschieht. Die Situation im Museum ist im Vergleich dazu „zurückhaltender“, sie zielt primär auf Betrachtung, womöglich auf Kontemplation. Die Distanz zwischen Kunstwerk und Betrachter spielt eine größere Rolle und der Adressat ist zumeist der Einzelne und nicht ein Kollektiv. Kunstwerke sprechen nicht, sie zeigen. Sterberaum auf einer Bühne bekommt dagegen eine andere Dringlichkeit, eine Aktualität in situativer Hinsicht ebenso wie im Bezug auf das Geschehen außerhalb des Theaterraums. Hier kommt der zweite wichtige Unterschied zu früheren Präsentationen ins Spiel: Die aktuelle Pandemie und damit Leiden, Sterben und Tod als reale und andauernde Bedrohung und was das mit den Einzelnen und der Gesellschaft macht. Das Bild Sterberaum wird nun konkreter gelesen – obwohl es so distanziert und abstrakt bleibt wie zuvor. Eine wichtige Rolle spielt dabei der „Zeuge“ vor Ort. Als leiblicher Stellvertreter oder Identifikationsfigur verbürgt er die Realität des Bildes. Als jemand, der vor und mit dem Raum ausharrt, ist er fast so etwas wie ein Vorbild oder zumindest eine Aufforderung, jemand, der sich der Erfahrung in einer der Sache angemessenen Radikalität aussetzt. Denn der Inhalt seiner Betrachtung, seiner Anwesenheit, so muss man vermuten, sind das Sterben und der Tod an einem würdigen Ort.

Aber Sterben und Tod treten hier nicht ein. Die Situation bleibt ein Bild. Und dieses Bild ist überdies ein vermitteltes Bild. Es wird zwar in Realzeit aber elektronisch-geisterhaft aus einem Ort für unmittelbar sinnliche, kollektive Erlebnisse übertragen auf das flache Geviert eines Fensters in einer privaten Zelle. Die eigentlich enorme wenn auch durch Alltäglichkeit gewohnte mediale Distanz ist nicht nur Ausdruck des sozialen Regimes unter den Bedingungen der Pandemie. Der ultimative Inhalt der Bedrohung durch die Krankheit bleibt notwendigerweise ebenso unerreichbar wie bei den Medienbildern aus den Intensivstationen. Aber das Bild, das Sterberaum übermittelt, ist dennoch in einer Hinsicht anders. Es ist ein ruhiges, ja meditatives Bild und es zeigt keine konventionellen Zeichen für Tod und Sterben. Der konkrete Raum hat zwar einen markanten Ausgangspunkt in der Architekturgeschichte, losgelöst aus seinem baulichen Zusammenhang präsentiert er sich jedoch in einer klaren Normalität ohne Anspruch auf Kunst. Seine Ästhetik ist gerade so weit entwickelt, dass Schönheit im Sinn von Angemessenheit aufscheint. Sterberaum ist in der stillen Präsentation via Bühne und Internet in erster Linie ein Projektionsraum von genügender Abstraktheit. Man muss in ihn jedoch kein konkretes Sterbegeschehen hineinprojizieren, um das Bild zu vervollständigen und es sich als Kunst verständlich zu machen. Er ist Rahmen für individuelle Gedanken im Zusammenhang mit seinem intendierten Thema. Sterberaum macht keine Vorgaben. Würde das auch gelten, falls es einmal zu einem tatsächlichen, aber unbeobachteten Tod in ihm käme? Diese Frage kann erst dann beantwortet werden, vielleicht.

 

(February 10, 2021; unpublished)